Blick vom Ovalen Kabinett in den Festsaal des Palais Lichtenau
Ovales Kabinett Blick in den Festsaal

Ort der Akademie

Frühklassizistische Baukunst am Neuen Garten

Potsdam · Erbaut 1796–1797 · Bauherr König Friedrich Wilhelm II.

Die Edwin Fischer Sommerakademie ist in einem Haus zu Gast, das selbst ein Kunstwerk ist – und dessen Räume für die Musik wie geschaffen scheinen.

Das Palais Lichtenau entstand 1796 bis 1797 unter König Friedrich Wilhelm II. in unmittelbarer Nähe des Neuen Gartens. Über einem hohen Sockelgeschoss erhebt sich das Hauptgeschoss, bekrönt von einem markanten Mansarddach. Zur Straße hin prägt ein dreiachsiger Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel die Fassade. Das Giebelrelief nach einem Entwurf Johann Gottfried Schadows zeigt Apollo, den Gott der Musik und der Künste, umgeben von Herkules, Nike, Poseidon, Ceres und Proserpina.

Zum Garten hin öffnet sich das Haus über eine geschwungene, zweiläufige Freitreppe. Wer den Entwurf schuf, ist bis heute nicht abschließend geklärt: Genannt werden Michael Philipp Boumann, der den Bau im Frühsommer 1796 leitete, und Carl Gotthard Langhans, der Architekt des Brandenburger Tores.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Akademie ist das Palais weit mehr als eine Kulisse: In seinen historischen Räumen verbinden sich konzentrierte Arbeit am Instrument, Begegnung und gemeinsames Hören.

Erbaut
1796–1797
Bauherr
König Friedrich Wilhelm II.
Entwurf
M. Ph. Boumann oder C. G. Langhans
Einweihung
25. September 1797

Geschichte

Ein Name, eine Legende und zwei Jahrhunderte

Seinen Namen verdankt das Haus Wilhelmine von Lichtenau, der langjährigen Geliebten König Friedrich Wilhelms II. Für sie gebaut wurde es nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht.

Wahrscheinlich entstand das Palais als standesgemäßes Wohnhaus des Geheimen Kämmerers Johann Friedrich Ritz, mit dem Wilhelmine Enke – 1796 zur Gräfin von Lichtenau erhoben – verheiratet war. Die Gräfin selbst hielt sich zu Baubeginn in Italien auf und verbrachte den Sommer 1797 in Bad Pyrmont; bewohnt hat sie das Haus wohl nie.

Nach dem Tod des Königs im November 1797 ließ sein Nachfolger Friedrich Wilhelm III. sie vom Hof verbannen. Das Palais aber blieb – und erlebte in den folgenden zwei Jahrhunderten wechselvolle Zeiten.

Stationen des Hauses

1790Das Grundstück
König Friedrich Wilhelm II. erwirbt das Grundstück in unmittelbarer Nähe des Neuen Gartens.
1796–1797Bau und Einweihung
Baubeginn im Frühsommer 1796; die Innenausstattung zieht sich bis ins Frühjahr 1797. Am 25. September 1797 wird das Einweihungsfest gefeiert.
1801–1927Wechselnde Besitzer
Ritz verkauft Grundstück und Palais. Nach mehreren Eigentümerwechseln erwirbt 1927 die Familie von Lüttwitz das Haus.
1945–1983Nachkriegszeit
Bis 1955 nutzt die Rote Armee das Palais als Planungsbüro, ab 1973 dient es zehn Jahre lang dem VEB Spezialbau Potsdam als Verwaltungsgebäude. Rosenholzzimmer und Festsaal werden in den 1960er- und 1970er-Jahren restauriert.
bis 2007Theaterbühne
Wiederholt ist das Palais Spielstätte kleinerer Aufführungen des Hans Otto Theaters. 2005 feiert hier Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel“ mit Katharina Thalbach in der Titelrolle Premiere.
2011–2013Restaurierung
Nach Jahren des Leerstands wird das Palais umfassend restauriert. Seitdem beherbergt es die Hautklinik der heutigen Eigentümer, und der Festsaal öffnet sich für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen.

Die Räume

Eine Raumfolge, die ihre Zeit bewahrt hat

Die Raumstruktur des Hauptgeschosses ist weitgehend erhalten. Festsaal und Ovales Kabinett zeigen bis heute qualitätsvolle historische Fassungen.

Musikalischer Mittelpunkt

Der Festsaal

Lichte Grüntöne auf weißem Grund, feines Ornament und eine Akustik, die sich für Kammermusik in besonderer Weise eignet.

Der Festsaal nimmt auf der Südostseite die gesamte Tiefe des Hauses ein. Leicht vorspringende Wandstücke mit Nischen gliedern die Wände, Thyrsosstäbe begleiten die Türöffnungen. In den Supraporten erscheinen über Arabesken in Grisaillemalerei Figurenszenen, vermutlich nach Entwürfen des Hofmalers Christian Bernhard Rode.

Neben und zwischen den Fenstern zeigen sechs querovale Medaillons Architektur- und Landschaftsmotive der Pfaueninsel; über den Nischen ranken sich Weinlaub und Trauben um ein zentrales Gefäß. Eines der Medaillons wurde bei der Restaurierung 1973 durch eine Ansicht der Gotischen Bibliothek im Neuen Garten von Dankwart Kühn ersetzt.

Das Palais Lichtenau ist Schauplatz der jährlichen Meisterkurse. Im Festsaal stehen ein Steinway D und ein Fazioli F308. Beide Flügel sind in hervorragendem Zustand und werden regelmäßig von einem Klavierstimmer gepflegt und gestimmt. Auf ihnen haben bereits bedeutende Pianistinnen und Pianisten gespielt. So wird der historische Saal bis heute als Arbeits- und Aufführungsraum genutzt.

Ausmalung
Bartolomeo Verona, Johann Carl Wilhelm Rosenberg
Restaurierung
1973 sowie 2011–2013
Heute
Konzerte, Lesungen und Vorträge
Ovales Kabinett des Palais Lichtenau mit Rundbogennischen, Fenster und historischen Sitzmöbeln
Nachbarraum des Festsaals

Das Ovale Kabinett

Ein Raum von fast kammermusikalischer Intimität – gegliedert von vier nahezu raumhohen Rundbogennischen.

Die Nischen sind diagonal angeordnet und geben dem ovalen Grundriss seinen ruhigen Rhythmus. Die querovalen Supraporten zeigen Opferszenen, die an antike Reliefs oder Gemmen erinnern; darüber wölbt sich eine kassettierte Decke.

Durch die Tür zum östlich angrenzenden Festsaal öffnen sich Blickachsen, die das Hauptgeschoss als zusammenhängende Raumfolge erfahrbar machen.

Grundriss
Oval, mit vier diagonal angeordneten Nischen
Supraporten
Opferszenen nach Art antiker Reliefs

Deckenfassungen

Der Blick nach oben

Rosetten, Rankenwerk und Arabesken: Die Decken des Palais führen die Ornamentik der Wände fort und verleihen jedem Raum seinen eigenen Charakter.

Blick auf die Decke im Ovalen Kabinett des Palais Lichtenau
Decke des Ovalen Kabinetts
Blick auf die gestaltete Decke des Festsaals im Palais Lichtenau
Decke des Festsaals
Kronleuchter unter der Decke des Festsaals im Palais Lichtenau
Kronleuchter des Festsaals
Blick auf die Decke des Gartensaals im Palais Lichtenau
Decke des Gartensaals

Palais Lichtenau heute

Ein Ort für Musik, Literatur und Austausch

Nach der Restaurierung haben die heutigen Eigentümer, das Arztehepaar Tanja und Axel Fischer, den Festsaal und die angrenzenden Räume für kulturelle Veranstaltungen geöffnet – als offenes Haus für Potsdam und seine Gäste. Im Mittelpunkt stehen Konzerte mit klassischer Kammermusik, ergänzt durch Lesungen und Vorträge.

Für die Edwin Fischer Sommerakademie wird das Palais so zu einem Ort, an dem musikalische Tradition in historischen Räumen neu erklingt.

Das Haus beherbergt auch den Potsdamer Standort des Haut- und Lasercentrums Potsdam. Dr. med. Tanja C. Fischer ist Ärztliche Direktorin des HLCP.

Adresse
Palais Lichtenau
Kurfürstenstraße 40
14469 Potsdam

Fotos: Dominik Campus.